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Urlaub: Das 1. Bücherhotel Deutschlands

Nun ist unser Urlaub schon wieder um und der Alltag und der normale Wahnsinn hat uns wieder. Leider vergeht der Urlaub immer viel zu schnell. Und wenn wir zu unserem Lieblingsurlaubsziel aufbrechen dann so wie so. Immer wieder werde ich gefragt warum wir so gerne dorthin fahren. Alle die wir bis jetzt nach Groß Breesen gelockt haben verstehen das. Und für den Rest will ich es mal versuche zu erklären. 

Wir leben heutzutage in einer Welt aus Streß und Hektik. Ja förmlich auf der Überholspur. Dank der Digitalisierung sind wir wann immer, wo immer und überhaupt immer erreichbar. Und das rund um die Uhr. Das führt dazu das unserer erster Blick morgens auf das Smartphone fällt. Der zweite vielleicht noch in den Fernsehen. Dank der Dauerberieselung. Wer mit den Öffentlichen fährt checkt schon unterwegs dank Tablett und Co seine Nachrichten und ist zeitweise schon vor Arbeitsbeginn im Dienst. Während der Arbeit geht es weiter. Und selbst oft nach Dienstende ist das so. So ging es mir auch schon oft. Der Griff zur Technik, immer erreichbar für den Job und auch dank der social Media Dauerpräsent für Familie und Freunde  zu sein bzw auf dem neusten Stand bringt uns in eine gewisse  Abhängigkeit. Die bei mir fast und bei meiner Schwester so richtig zum Burn out geführt haben. Doch was dagegen tun?

Technik ausschalten. Nein sagen lernen. Hobbys und Privatleben in den Fokus stellen. Und am besten im Urlaub wegfahren .

Genau das haben wir getan. Doch war der Erholungseffekt oft nach 24 Stunden weg. Nicht nur weil der Streß wieder da war. Nein weil ich einfach nicht runter kommen konnte.

Bis mir eines Tages eine Freundin vom 1. Bücherhotel Deutschland erzählte. Ein Ort rund um Bücher. Zum lesen. Tauschen und erholen.

Ich googlte das ganze und beschloss meiner Schwester ein Wochenendetrip zu schenken. Wir machten dann gleich mal einen Familienausflug daraus. Die ersten 2 Jahre fuhren wir nur für 2 bis 3 Übernachtungen dort hin, weil meine Schwester die Ruhe, dank Burn out, nicht länger aushielt. Inzwischen geht nichts mehr unter einer Woche für uns.

Ruhe das ist das Stichwort wenn man ein Dorf wie Groß Breesen beschreiben soll.

 

Wenn ich gefragt werde wo liegt das Hotel? Dann sage ich immer: Fahre an Zehna in Mecklenburg vorbei in den Wald. Wenn Du glaubst es geht nicht mehr weiter dann fahre noch ein Stück und dann  stehst Du im Dorf. Fahre dann ein ganz klein wenig weiter und Du stehst vor dem Hotel.

 

Steigt man dann aus dem Auto fällt einem als erstes diese unsagbare Ruhe auf. Kein Lärm. Nur das summen von Bienen, zwitschern von Vögeln. Hin und wieder ein bellender Hund und ein krähernder Hahn. Eben echtes Landleben wie in meiner Kindheit. Wenn das nervt der sollte am besten gleich wieder umkehren.

Eine Bekannte bestätigte mir diesen Eindruck vor 2 Jahren.  Sie empfand genau das gleiche. Ruhe. Einfach nur Ruhe.

 

Im Bücherhotel ist man Gast bei guten Freunden.

 

Wenn man erst einmal die Treppe zum Gutshaus erklommen hat ist man als Neuling erst einmal Beeindruckt oder schockiert, je nachdem was man erwartet hat, von den vielen Büchern die in dem Raum rund um den Empfang steht. Wir lieben es und müssen uns immer erst einmal zusammen reißen  uns nicht gleich ins Getümmel zu stürzen.

Je nach dem wann man anreißt findet man jemanden am Empfang vor. Wenn nicht, ab ins Gewölbe. Spätestens da findet man jemand.

Die Begrüßung ist immer sehr herzlich. Kommt man wie wir jedes Jahr dann fällt man sich erst einmal in die Arme und begrüsst sich wie bei einem Familientreffen mit lange nicht gesehen Familienmitgliedern. Aber auch neue Gäste werden sehr herzlich aufgenommen und man hat das Gefühl schon dazu zugehören.

 

Bei unserem ersten Aufenthalt sind wir übrigens rumgeführt worden und man bekommt alles erklärt. Die Zimmer werden einem gezeigt. Wer jetzt viel Wert auf Luxus legt sollte am besten gleich wieder gehen. Wem ein schlichtes schönes Zimmer ohne viel Schischi mit Bad und Dusch reicht der wird sich hier wohl füllen.  Und nein es gibt keinen Fön auf dem Zimmer. Aber wenn man nett fragt kann man sich einen leihen. Eine Minibar gibt es auch nicht.  Die ist doch viel zu teuer. Und im Gewölbe schmecken die Getränke eh besser. Überhaupt hält man sich im Zimmer eh nur zum schlafen oder Mittagschläfchen auf. Obwohl das hält man in der Regel eher im gelben Salon, Wintergarten, Bücherstuben, Bibliothek , Connys Wunderland oder Gutsgarten. Nur in der Bücherscheune nicht. Da hat man keine Zeit zum schlafen.

Da wir nun schon 10  Jahre ins Bücherhotel fahren sind wir halt auch schon Hausgäste und die ersten Tage trifft man immer wieder alte Bekannte die man erst einmal begrüßt umarmt und quatscht.

 

 

Denn hier ist alles anders… 

Stellt euch das Bücherhotel nicht wie ein klassisches Hotel vor. Hier trifft man das Mädchen das die Zimmer putzt auf dem Flur. Im Normalfall sagt man höfflich guten Tag und geht. Hier nicht. Hier kommt es schon mal vor das man mit Pia oder Kerstin auf der Treppe sitzt und quatscht. Dann werden die Zimmer halt 10 Minten später geputzt.

 

Da erfüllt der Koche auch mal Extrawünsche wegen Allergien oder weil man etwas aus dem Menü nicht mag. Ach ja und seit ihr mal zu der Zeit dann wenn es  Soljanka gibt dann solltet ihr die unbedingt probieren. Ingos Soljanka ist die beste Soljanka der Welt. Sagt zumindest meine schwesterliche Kronprinzessin. Und die mag sonst eigentlich keine Soljanka.

Da kommen die Gäste freiwillig zum Frühjahrsputz und bezahlen dafür auch noch. Ja wirklich. Und inzwischen haben sich schon echte Freundschaften gebildet und es gibt wohl schon Gruppen die sich regelmäßig verabreden und gemeinsam dort Urlaub zu machen.

Hin und wieder trifft man auch mal die gleichen Leute zu unterschiedlichen Zeiten.

Jetzt bin ich vom Thema abgekommen.

Und überhaupt ist hier alles anders. Hier darf man sein Essen mit auf das Zimmer nehmen. Wofür man in anderen Hotels schräg angeschaut werden würde. Hier holt man sich seinen Haus gebackenen Kuchen und Kaffee schon mal alleine oder trägt sein Geschirr brav selbst in die Küche, weil die Mädels gerade Streß haben.

Anschluss erwünscht? 

 

Wir leben ja inzwischen in einer Zeit in der die Menschen nur noch Digital in der Lage sind Kontakte zu knüpfen. Erschreckend oder? Hier ist das nicht so.

Ich erinnere mich das wir vor 2 Jahren zum Abendessen ins Gewölbe ging. Wir saßen am Tisch und schräg gegenüber saß noch ein Mädel alleine. Wir unterhielten uns quer über die Tische. Da wir uns schon ein paar Tage vom Frühstück kannten. Etwas später kam ein älteres Paar dazu. Sie waren zum ersten Mal hier. Und auch mit ihnen kamen wir schnell ins Gespräch. Was soll ich sagen eine Stunde später saßen wir alle zusammen am Tisch bei Wein, Bier und Co.

Das ganze funktioniert auch beim Frühstück.

 

 

Kein Streß und Hektik

 

Ich bin von jeher ein Frühaufsteher, denn ich liebe die Ruhe am morgen. Also bin ich im Schnitt immer die erste die beim Frühstück unten ist. Das Buffett ist klein aber fein in der Woche und groß am Wochenende, weil dann einfach mehr Leute da sind. Jedenfalls kommt es mir so vor. Wer hier nichts findet ist selber Schuld oder einfach nur ein notorischer Nörgler.  Hier ticken die Uhren anders. Es gibt keine festen Frühstückzeiten und man kann sich auch noch mal schnell was holen wenn man einfach schon fertig ist. Wir trinken, hier, im Schnitt 3 bis 4 Tassen Tee am Morgen. Sonst ist das bei mir nur eine. Aber das ist doch auch kein Wunder. Schon beim Frühstück habe ich meine Nase im Buch. Und wenn ich dann zur Zeitung greife dann auch noch mal zu einer Tasse Tee. Und irgendwie überredet mich meine Schwester immer noch zu einer weiteren Tasse.

Essen ist hier übrigens auch so ein Thema. Das Essen ist wirklich echt lecker. Und die Karte wird 4 mal im Jahr geändert. Und essen kann man hier übrigens wirklich fast überall.  Da kann es schon mal passieren das Neuankömmlinge als erste Gäste sehen die auf einem Bücherberg im Eingang sitzen und einen Teller Eintopf löffeln. Kein Witz haben wir auch schon gemacht. Und niemand stört sich daran.  Alles ganz zwanglos ohne Streß und Hektik.

 

Feste Rituale … und die Bücherscheune

Die hat hier glaube ich jeder Wiederholungsgast. Zimmer beziehen und dann erst einmal die eigenen Bücherkisten aus dem Auto holen. Und dann sitzt da mindestens schon ein anderer Gast und lauert auf die neuen Kisten mit Büchern. Wir sind da auch nicht anders. So habe ich schon so manches Buch, das ich eigentlich noch kaufen wollte für lau bekommen. Bücher für die Arbeit oder die Kinder in unserer Familie gefunden. Alte Schätzchen die immer schon haben wollte usw.

Mit dem Ziel was bestimmtes zu finden sollte man nicht hier her kommen. Das bringt eh nichts.Obwohl  erwarte das unerwartet dann findest du so einiges. Ich sag nur: Der Schatz von Groß Breesen. 

Dieses Hotel ist wie ein magischer Ort. Hier sind schon so viele verrückte und tolle Dinge passiert. Wenn ihr wirklich mal nach Groß Breesen kommt dann lasst euch unbedingt eine dieser Geschichten von Conny oder Torsten erzählen. Und habt ihr am Ende eine Gänsehaut, dann spürt ihr gerade die Magie des Hauses.

 

 

Auch wir haben unsere festen Rituale. Einchecken. Begrüßen. Zimmer beziehen. Getränke holen. Auch wenn wir nur eine Autostunde vom Hotel weit weg wohnen haben wir immer das Gefühl am anderen Ende der Welt zu sein. Bücherkisten aus dem Auto holen. Meistens taucht dann Torsten, der Herr des Hauses auf, aber immer dann wenn wir schon fertig sind. ;) Und dann geht es los. Noch am gleichen Nachmittag durchforsten wir die beiden Etagen. Bibliothek und den Empfang nach Büchern. Meist sind wird dann auch schon fündig geworden und lesen schnell in im Zimmer kurz ein was wirklich in Frage kommt. Dann geht es ab, wenn es das Wetter zu lässt in den Garten zum lesen. Und wenn nicht. Hier ist immer irgendwo ein Plätzchen.

Am nächsten Tag geht des dann ab in die Bücherscheune. Ich bin immer wieder vom neuen geflasht wenn ich diese betrete. Obwohl ich ja weiß was mich erwartet trifft mich die Masse der Bücher immer wieder vom neuen. Ähnlich ist es mit den Bücherstuben. Um beides ranken sich viele kleine Geschichten. Ähnlich wie die vom Schatz von Groß Breesen. Inzwischen ist ja aus den alten Bücherstuben Connys Wunderland geworden. Eine kleine magische Bücherwelt für sich. Wer wirklich Bücher liebt wird diesen Ort  lieben.

 

 

Irgendwann sagen wir dann auch erst einmal stop, weil sich die Bücher schon wieder im Zimmer stapeln. Und wir beginnen zu lesen bzw eine Auslese zutreffen was wir mitnehmen wollen. Sicher versuche wir auch immer viele Bücher vor Ort zu lesen. Aber am Ende wandern meistens genauso viele Bücher wieder mit wie wir mitgebacht haben.

 

Ausspannen 

Für mich ist das Bücherhotel ein Ort zum ausspannen und abschalten geworden. Hier kann ich mal so richtig die Seele baumeln lassen. Den Alltag, den Job, den Streß und die Probleme vergessen. Hier liegt man draußen in der Hängematte mit einem guten Buch und denkt nicht an morgen. Man sitzt auf dem Sofa im Eingang und ist in ein Buch vertieft und merkt gar nicht wie die Zeit dahinläuft. Man sitzt in der Bibliothek sieht aus dem Fenster und schaut den Regentropfen zu ohne sich über das schlechte Wetter zu ärgern, weil man weiß das der Quadratlatschen große Kuchen und Kaffee gleich kommt und einem die Lesestunden versüßt.  Hier sitzt man abends am Tresen mit dem Personal und erörtet dann plötzlich doch ein Problem, das plötzlich keines mehr ist, weil die Lösung schon da ist.

Hier rinnt die Zeit durch die Finger wie Sand und man fragt sich wo ist die Zeit geblieben. Man ist doch erst vor einer Stunde angekommen. Und dabei ist man schon eine Woche da.

 

 

Feiern kann man  hier  auch

 

Ja und man kann hier auch heiraten. Denn es gibt eine Außenstelle vom Standesamt Güstrow.  Ich habe übrigens meinen 40. Geburtstag dort gefeiert. Das war vielleicht eine Party. Wir haben eine Mörderjagd veranstaltet. Das ist ja das tolle an Conny und ihren Leuten die sind für alles offen. Das war die verrückteste Party meines Lebens.  Soviel Spaß bei guten Essen und trinken hatten wir noch nie.

 

 

 

Nicht tschüß sondern auf Wiedersehen 

 

Das sagt die Mehrheit der Gäste. Viele kommen auch mehrmals im Jahr her. Das haben wir auch schon gemacht. Unser persönlicher Rekord liegt bei drei mal.

Wer sich hier nicht wohlfühlt ist selber schuld. Wenn meine Schwester und ich am Ende einer Woche wieder wegfahren, dann sind die Akkus aufgeladen und wir planen unseren nächsten Aufenthalt.

Inzwischen waren wir zu fast allen Zeiten schon mal da. Bis auf zur Mitweihnachten und Adventszeit. Aber irgendwann schaffen wir auch das noch.

So das war’s auch für heute. Ich hoffe meine kleine Reise in unser Lieblingshotel hat euch gefallen.

Habt einen schönen Tag

 

Freutag