Stricken

Kuscheldecke oder die Rückkehr aus der Unendlichkeit

Ehrlich gesagt weiß ich im Moment echt nicht wie ich diesen Blogpost beginnen soll. Tada? Da bin ich wieder? Wenn ich ehrlich sein soll so fehlt mir dafür gerade die Kraft für ein fröhliches wie geht’s? Oder ähnliches. Die letzten Wochen eher Monate waren echt der Horror für uns. Also auch für die Kronprinzessin.

Angst, Tod, Depression, Verzweiflung, Hoffnung, Hilflosigkeit… das und noch viel mehr haben uns begleitet bzw begleiten uns immer noch. Manchmal frage ich mich woher ich die Kraft für das alles genommen habe und auch noch nehme. Vielleicht ist es der Zusammenhalt mit meiner Schwester und die Liebe zu ihr die mir all die Kraft gibt weiterzumachen. Wenn ich immer höre wie andere über Corona jammern und ich dann sie frage hast Du eigentlich keine anderen Sorgen. Dann wird mir Egoismus vorgeworfen. Ich bin alles nur nicht egoistisch. Ich kämpfe hier gegen den Krebs und zwar während Corona. Macht das mal mit. Das ist auch ohne Corona schon ein Sch…spiel. Ich weiß das ich bin vor Corona mit Leuten durch die Krebshöhle gegangen und jetzt wieder. Die wenigsten da draußen wissen das ein Krebspatient auf seine Therapie warten muss, weil wieder mal ein ungeimpfte Depp plötzlich doch die Sch…. bekommen hat und jetzt das Bett für einen Krebspatient blockiert. Jemanden mit Krebs zu begleiten auch ohne Corona ist schon anstrengend. Das habe ich durch. Und das ist schon anstrengend.

Spart euch die Worte von wegen wenn man betroffen ist wirft man anderen immer Egoismus vor. Das funktioniert bei mir nicht. Ich würde auch so reden wenn ich gerade kein Krebs im Umfeld hätte.

Ich gebe zu ich fühle mich gerade verlassen. Im Grunde bin ich es auch, denn einer meiner beiden geliebten Menschen hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Bei dem anderen sieht es nicht besser aus.

Am liebsten würde ich mich jetzt in eine kuschelige Decke wickeln und vergraben und so lange warten bis das alles von alleine wieder gut wird. Aber das wird es nicht. Ich weiß das. Also habe ich zur Stricknadel gegriffen und all meinen Schmerz darin eingestrickt. Der Kummer um Ceras Verlust, den Verlust um die Liebe meines Lebens, die Angst um meine Mutter, den Schmerz von der Kronprinzessin, die Sorge um meinen Vater, mein schlechtes Gewissen weil ich das Gefühl habe Blacky zu vernachlässigen und was passiert wenn ja wenn… was machen wir dann mit Paulchen?

All das ist jetzt in diese Kniedecke im Maschenmix verstrickt. Zwei Rest- Riesenknäule, geerbte Wolle, haben dafür hergehalten und die Decke wäre wohl noch größer geworden, wenn mir das Garn dafür nicht ausgegangen wäre.

Die Worte alles wird gut helfen dabei nicht, denn Gut kann nichts werden. Aber ich kann meinen Kummer verstricken. Und in Zeiten wie diesen erkennt man mal wieder seine wahren Freunde. Und das ist echt erschreckend.

Irgendwie muss es ja weiter gehen.

HoT, Stricklust, Caros Fummeley, Froh und Kreativ, Lieblingsstück, Restprojekte, Samstagsplausch,

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3 Kommentare

  1. liebe sanni,
    ach mensch, das ist alles zum heulen!!! ich kann mir zumindest ein wenig vorstellen, was in dir vorgeht, trotz allem hat es mich noch nicht ganz so hart getroffen :0( das gefühl, sich irgendwo vergraben zu müssen, und erst wieder rauszukommen, wenn alles wieder gut ist kenne ich, träumen darf man ja… ja, covid ist schlimm, aber es gibt noch viel heftigere sachen. Bei covid hat man wenigstens die chance was zu tun, sich impfen zu lassen, aufzupassen…aber gegen krebs ist man machtlos- man kann nur hoffen, das die therapien was bringen. wenn es dann nicht so ist, steht man alleine im regen. denn dabei kann einem keiner helfen. gut das du deine schwester hast, bzw. ihr euch. das gibt kraft und tröstet etwas. Ich habe heute den ganzen Tag im Nähzimmer verbracht- mit Cera :0) Die Kleine war wahnsinnig widerspenstig. Ich konnte lange nichts nähen, hatte einfach keine Kraft und Kreativität dafür. Da ich weiss wie schlecht es dir gerade geht wollte ich aber unbedingt was tun. Morgen folgt der Rest, ich glaube Cera schmeisst ein oder mehrere Augen drauf, was ich hier so treibe :0)
    Fühl dich gedrückt, ich denke jeden Tag an dich, momentan bin ich nur so eingespannt, das ich kaum mal zeit habe zu schreiben. ganz LG aus Dänemark, Ulli :0)

  2. Ein sehr guter Freund, selber Betroffener, hat dafür einen sehr treffenden Satz: Krebs ist ein Raubtier
    Mehr kann ich eigentlich nicht sagen, denn bei dem Scheiß gibt es keine guten Ratschläge
    Viele Grüße
    Nina

  3. Ulrike says:

    Liebe Sanni
    mir fehlen die Worte und mir bleibt nur, dir und deiner Familie viel Kraft zu wünschen.
    Liebe Grüße,
    Ulrike

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